Gastbeitrag: Ruhe vor dem Sturm? Wie hart trifft uns die Insolvenzwelle

Im ersten Halbjahr 2020 gab es in Deutschland ca. 8.900 Unternehmensinsolvenzen.

Was? Nur? Schnell nochmal nachsehen. Doch, richtig gelesen. Und das trotz Corona-Pandemie?

Lassen Sie uns gemeinsam einen genaueren Blick drauf werfen. Da sind einige interessante Fakten.

  • Die Anzahl der Insolvenzen liegt 8,2% unter dem Vorjahr; warum das so ist, dazu gleich mehr.
  • Die Schäden, mit geschätzt 12,0 Mrd. Euro, sind jedoch nur um 3% gesunken; also, größere Schäden
    pro Insolvenz.
  • Fast die Hälfte der insolventen Unternehmen war älter als 10 Jahre; komisch, waren doch Firmen bis vier Jahre immer stark betroffen.
  • Der Anteil von Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 5 – 25 Mio. Euro ist um 22% gewachsen.
  • Die bedrohten oder bereits verlorenen Arbeitsplätze betragen geschätzt 125.000; leicht gesunken gegenüber 130.000 im Vorjahr.
    Allein bei den 10 größten Insolvenzen, zu denen u.a. Galeria Karstadt Kaufhof, ESPRIT, Vapiano und Veritas gehören, sind ca. 50.000 Mitarbeiter betroffen.
  • Die fünf risikobehafteten Branchen waren: private Wach- und Sicherheitsdienste, Abbrucharbeiten, Hochbau, Post- und Kurierdienste und getränkegeprägte Gastronomie.
    Gemessen an den Insolvenzen je 10.000 Unternehmen einer Branche.

Warum ist die Zahl der Insolvenzen im ersten Halbjahr 2020 so gering?
Die in vielen Medien genannten Gründe haben wir hier nochmal zusammengefasst.

Zuerst haben die Gerichte aufgrund Notbesetzung deutlich weniger Verfahren bearbeiten können. Dann gab es staatliche Unterstützungsleistungen, die auch von vielen Unternehmen in Anspruch genommen wurden, die bereits vor der Krise in Schieflage waren. Und zuletzt hat die Bundesregierung die Antragspflicht für Insolvenzen bis Ende September ausgesetzt.

Alle Experten warnen nun vor einer großen Insolvenzwelle ab Herbst 2020. Aber keiner weiß wie groß diese sein wird.

Wie sieht es bei der Zahlungsmoral aus? Hier muss es in den letzten Monaten doch auch zu Veränderungen gekommen sein. Stimmt. Eine Auswertung des DebitorenRegisterDeutschland zum Zahlungsverhalten belegt, dass branchenübergreifend Zahlungsziele teils massiv gedehnt werden. Lieferanten, die Ihren Kunden ein verlängertes Zahlungsziel gewähren, erleben nicht selten eine Überraschung. Denn auf den Zahlungsverzug hat die neue Vereinbarung oft keine nennenswerten Effekte. Heißt, das Mahnaufkommen verändert sich nicht. Interessant an dieser Stelle; der durchschnittliche Wert überfälliger Rechnungen ist in den letzten vier Jahren von 1.783 Euro auf 2.118 gestiegen; allein zum Vorjahr um 5%.

Eine Analyse von über 136.000 Unternehmen in den für Sie wichtigen Zielbranchen „Maschinenbau“, „Hochbau“ und „Kfz“ kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. In allen drei Märkten ist das Zahlungsziel um bis zu Ø 4 Tage länger geworden. Gleichzeitig ist die Überfälligkeit um bis zu Ø 7 Tage gewachsen. Ausgewertet wurden knapp 716.000 Zahlungsbelege mit einem Volumen von ca. 1,5 Mrd. Euro im Zeitraum
Jan bis Jun 2020.

ZZ= Zahlungsziel // AD= Außenstandsdauer // ÜF= Überfälligkeit

 

Natürlich sind durch die letzte Krise 2008/2009 die internen Prozesse im Risikomanagement einer enormen Bestastungsprobe ausgesetzt gewesen. Jetzt ist wieder der Zeitpunkt gekommen um Vorbereitungen zu treffen.

Dazu stellen Sie sich bitte die folgenden Fragen:

  • Gibt es bei uns über alle wichtigen Kunden und Lieferanten eine aktuelle Bonitätseinschätzung?
  • Sind unsere relevanten Geschäftspartner im Monitoring, um schnell auf Veränderungen reagieren zu können?
  • Ist eine weitere Absicherung durch eine Forderungsausfallversicherung notwendig?
  • Hilft uns ein zusätzliches Frühwarnsystem, wie der Austausch von Zahlungserfahrungen?

Das Kreditmanagement ist nun wieder stärker im Fokus. Gleichzeitig dürfen Umsatz-Chancen trotz aller Vorsicht nicht liegen gelassen werden. Eine Herausforderung, bei der alle Beschäftigten an einem Strang ziehen müssen um weiterhin erfolgreich zu sein.

Behalten Sie Ihren Optimismus, seien Sie entschlossen und vor allem, bleiben Sie gesund.

 

Weitere Informationen:

https://www.creditreform.de/aktuelles-wissen/pressemeldungen-fachbeitraege/news-details/show/insolvenzen-in-deutschland-1-halbjahr-2020

https://www.creditreform.de/aktuelles-wissen/pressemeldungen-fachbeitraege/news-details/show/wie-widerstandsfaehig-ist-europa

 

Kontaktdaten:

Dennis Buße

Creditreform Solingen Kirschner GmbH & Co. KG
Kuller Str. 58, 42651 Solingen
Tel.    +49 212 2503-259

Mobil  +49 170 3430141
https://www.creditreform.de/solingen