FWI Positionspapier zu Stahl als Schlüsselrohstoff für die deutsche Handwerkzeugindustrie:

Die deutsche Handwerkzeugindustrie steht für offenen und fairen Handel. Unsere Unternehmen sind stark exportorientiert und liefern Qualitätsprodukte „Made in Germany“ in alle Welt. Offene Märkte, verlässliche Regeln und internationale Wettbewerbsfähigkeit sind deshalb zentrale Voraussetzungen für Wachstum, Beschäftigung und Innovation in Europa.

Gleichzeitig ist klar: Wettbewerbsfähigkeit entsteht nicht allein am Markt, sondern auch durch faire Produktionsbedingungen. Europäische Hersteller tragen hohe Kosten durch Energiepreise, Regulierung und Klimaschutzauflagen. Damit Europa industriell stark bleibt, müssen Handels-und Klimapolitik so gestaltet sein, dass sie Carbon Leakage und Wettbewerbsverzerrungen verhindert – ohne den Grundsatz offenen Handels aufzugeben.

Stahl ist dabei ein zentraler Rohstoff für die Handwerkzeugindustrie: Er ist unverzichtbar für Qualität, Haltbarkeit und Sicherheit vieler Werkzeuge. Deshalb müssen zwei aktuell diskutierte Regulierungsansätze so ausgestaltet werden, dass sie Europas industrielle Wertschöpfung insgesamt schützen: Der CO₂ Grenzausgleich CBAM und die EU Safeguard Measures. Beide sind Eingriffe in den Handel, aber sie sind unter den heutigen Rahmenbedingungen in der EU noch
notwendig, solange sie verhältnismäßig sind, Missbrauch verhindern und europäische Hersteller nicht einseitig belasten.

Unsere Forderungen:

1) CBAM: Handwerkzeuge als Downstream-Produkt in CBAM einbeziehen

Der CBAM ist ein zentraler Baustein für eine glaubwürdige europäische Klima- und Industriepolitik. CBAM kann jedoch nur dann wirksam sein, wenn er die industriellen Wertschöpfungsketten vollständig schützt – nicht nur die erste Stufe. Genau hier besteht derzeit eine Schutzlücke: Wesentliche Downstream-Produkte wie Handwerkzeuge, Messwerkzeuge und Zubehör für Elektrowerkzeuge (z.B. Sägeblätter, Bohrer und Frässtifte) bleiben unberücksichtigt.

Das ist problematisch, weil die Herstellung dieser Produkte in Europa energie- und stromintensiv ist (z. B. Schmieden, Gießen, Wärmebehandlung, Zerspanung, Oberflächenbehandlung) und damit stark von ETS-bedingten Kosten beeinflusst wird – während Importe aus Drittstaaten häufig ohne vergleichbare CO₂-Kosten in den EU-Markt gelangen.

Der FWI fordert daher: Die relevanten Zolltarifpositionen für Handwerkzeuge müssen in den CBAM-Anwendungsbereich aufgenommen werden (insbesondere in Kapitel 82 sowie relevante Produkte in Kapitel 90).

2) EU Steel Safeguard Measures: grundsätzlich zu begrüßen– aber Downstream-Produkte sofort einbeziehen UND Re-Exporte wettbewerbsfähig ermöglichen

Der FWI begrüßt die vorgeschlagenen EU Steel Safeguard Measures als temporäre Maßnahme gegen Importspitzen und Handelsumlenkung infolge globaler Überkapazitäten.

Gleichzeitig ist entscheidend: Handwerkzeuge als Downstream-Produkte sind derzeit nicht Teil des Anwendungsbereichs. Das führt zu einer Wettbewerbsasymmetrie: EU-Hersteller können durch die Safeguard Measures steigenden Rohstoffkosten und Volatilität ausgesetzt sein, während importierte Werkzeuge aus Drittstaaten weiterhin ohne entsprechende Schutzwirkung in den EU-Markt gelangen.

Der FWI fordert daher: Sofortige Einbeziehung von Downstream-Produkten in die Safeguard-Architektur – nicht erst im vorgesehenen Review-Prozess in 2 Jahren.

Zusätzlich braucht es praktikable Lösungen für Re-Exporte: Wenn Waren aus logistischen Gründen in die EU eingeführt werden (z.B. Handelsware) und anschließend wieder exportiert werden, dürfen sie nicht dauerhaft mit Schutz- und Klimakosten belastet bleiben. Ein Rückvergütungsmechanismus (z. B. für aufgeschlagene Abgaben/Zölle in klar definierten Fällen) ist nötig, um Exportfähigkeit zu sichern und Wertschöpfung in Europa zu halten.

 

Der Fachverband Werkzeugindustrie e.V. (FWI) ist die verbandliche Organisation der Werkzeughersteller in Deutschland und somit die zentrale Interessenvertretung für Unternehmen der Branche. Aktuell betreuen wir rund 150 Mitgliedsunternehmen.

Die deutsche Werkzeugindustrie erwirtschaftete insgesamt einen Umsatz von rund €9,6 Mrd. und beschäftigte über 51.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in 2025.

 

Für weitere Informationen wenden Sie sich gerne an:

Christoph Köppchen
Leiter Public Affairs

Email: christoph.koeppchen@werkzeug.org
Tel.: 02191 43834

 

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