AußenhandelIndustry Spotlight: Circular Economy Studie – Relevanz für die Handwerkzeugindustrie
Die neue Studie „Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz“ von BCG und BDI zeigt: Die Circular Economy wird zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor für die deutsche Industrie. Besonders für materialintensive Branchen – und damit auch für die Handwerkzeugindustrie – eröffnet sie strategische Chancen. Deutschland ist bei vielen Schlüsselrohstoffen für Zukunftstechnologien nahezu vollständig importabhängig. Durch konsequentes Recycling und Wiederverwendung könnten bis 2045 jedoch 20 bis 40 Prozent dieser strategischen Rohstoffimporte ersetzt werden.
Importabhängigkeit als Risiko – und Chance für mehr Materialeffizienz
- Die deutsche Industrie ist bei kritischen Rohstoffen wie Lithium, Nickel oder Seltenen Erden nahezu vollständig auf Importe angewiesen. Preisvolatilität, geopolitische Spannungen und Exportrestriktionen wirken sich direkt auf Lieferketten und Produktionskosten aus – ein Risiko, das auch die Handwerkzeugindustrie zunehmend betrifft. In den vergangenen Jahren stiegen die Preise für Kupfer und Aluminium um rund 60 Prozent, der Lithiumpreis schwankte extrem, und Silber erreichte Anfang 2026 ein Allzeithoch.
- Durch Recycling und Wiederverwendung ließe sich die Importabhängigkeit spürbar reduzieren – bei Seltenen Erden um bis zu 20 Prozent, bei Batteriematerialien um bis zu 10 Prozent. Gleichzeitig könnten bis 2045 weitere 11 Millionen Tonnen CO₂ eingespart werden. Die Aufbereitung und Wiederverwendung von Komponenten – etwa für Energie- und Elektrotechnik – unterstützt zudem den kosteneffizienten Ausbau der Energiewende-Infrastruktur.
Standortvorteil für Deutschland – und neue Potenziale für die Werkzeugindustrie
Deutschland verfügt über starke industrielle Wertschöpfungsketten und technologisch führende Unternehmen – ideale Voraussetzungen, um die Circular Economy zu einem Standortvorteil auszubauen. Bis 2045 könnten jährlich bis zu 83 Millionen Tonnen Rezyklate bereitgestellt und zentrale Materialströme im Land gehalten werden.
Für die Handwerkzeugindustrie ergeben sich daraus mehrere Chancen:
- Neue Märkte für Sortier-, Recycling- und Aufbereitungstechnologien – ein global wachsendes Segment mit über 150 Milliarden Euro Volumen.
- Höhere Margen durch Remanufacturing- und Refurbishment-Modelle, insbesondere bei hochwertigen Werkzeugen und Komponenten.
- Stärkere Resilienz durch reduzierte Rohstoffabhängigkeiten und stabilere Materialversorgung.
- Strukturelle Kostenvorteile durch effizientere Materialkreisläufe und den Einsatz wettbewerbsfähiger Sekundärrohstoffe.
- Mit gezielten Investitionen von rund 20 Milliarden Euro bis 2045 könnte Deutschland die Circular Economy deutlich ausbauen und zusätzliche
- Wertschöpfung im Inland sichern.