AußenhandelNeue US-Zusatzzölle sorgen für wachsende Unsicherheit im transatlantischen Handel 

Die US-Regierung setzt ihren handelspolitischen Kurs mit neuen rechtlichen Instrumenten fort: Nach dem Auslaufen der befristeten Section‑122‑Zölle erhebt Washington nun auf Basis von Section 301 zusätzliche Importzölle gegenüber rund 60 Handelspartnern – darunter auch die Europäische Union. Diese Maßnahmen ersetzen die zuvor gerichtlich gestoppten Zölle weitgehend, führen jedoch weiterhin zu einer angespannten und schwer kalkulierbaren Lage für international tätige Unternehmen.

Für die deutsche Wirtschaft bedeutet dies vor allem eine Zunahme der Unsicherheit. Die wiederholten Anpassungen der US‑Zollpolitik und der Versuch, zuvor gestoppte Maßnahmen über alternative Rechtswege umzusetzen, sorgen für zusätzliche Bürokratie und anhaltende rechtliche Unwägbarkeiten. Verlässliche und langfristig stabile Rahmenbedingungen sind unter diesen Umständen kaum gegeben.

Positiv zu bewerten ist, dass die neuen Zusatzzölle die bestehenden Meistbegünstigungszölle (MFN) bereits einschließen. Dadurch liegt der effektive Zollsatz für einen Großteil der exportierten Produkte künftig unter 15 Prozent. Unverändert bleibt jedoch das übergeordnete Ziel, die WTO‑widrigen US‑Zölle vollständig abzubauen – insbesondere die weiterhin geltenden Sonderzölle auf Stahl und Aluminium, die für viele Industriebereiche von Bedeutung sind.

Parallel dazu wird eine klare Positionierung der Europäischen Union gegenüber den Vorwürfen aus Washington als notwendig angesehen. Die Kritik an angeblich unzureichenden Maßnahmen gegen Zwangsarbeit, Behauptungen über europäische Überkapazitäten sowie wiederkehrende Aussagen zum deutschen Gesundheitssystem halten einer sachlichen Prüfung nicht stand und sollten entsprechend adressiert werden.

Für Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks bleibt entscheidend, dass handelspolitische Rahmenbedingungen verlässlich und berechenbar sind. Solange sich diese jederzeit ändern können, werden Investitionen zurückgestellt und langfristige Entscheidungen verzögert.

 

Quelle: DIHK

Lesen Sie auch

Zurück